60 Jahre FU – Gegendarstellungen

fu 60 - astamagazin - titelbild

Am 4. Dezember 1948 wurde die Freie Universität Berlin gegründet. Die Gründung erfolgte durch die Studierenden selber, aus Protest gegen die zunehmende Stalinisierung der Lehrinhalte an der damaligen Universität unter den Linden (heute Humboldt-Universität). Die FU begann also als Gegen-Uni, Ergebnis eines Studierendenprotestes. Proteste und Kämpfe bestimmten auch ihre weitere Geschichte, von den 68ern über die großen Streiks der siebziger und achtziger Jahre bis hin zu den aktuellen Kämpfen um Studiengebühren und Bachelor-Reform.

Wenn die FU also eine Tradition hat, dann ist es eine Tradition von gesellschaftliches Engagement und Protest gegen die Mißstände in Hochschule und Gesellschaft. Dennoch findet gerade dieser Aspekt der FU-Geschichte sich in den immer zahlreicheren Ausstellungen, Imagebroschüren und Internetseiten der „offiziellen“ FU kaum wieder. Deshalb veröffentlicht der AStA FU zum Semesterbeginn eine Broschüre, die unter dem Titel „FU60 – Gegendarstellungen“ auf 160 Seiten eine andere Geschichte der FU präsentiert. Anlaß ist nicht nur das 60 Jährige Jubiläum der FU-Gründung, sondern auch der 40ste Jahrestag der „Kritischen Uni“ von 1968 und das zwanzigjährige Jubiläum des Unimut-Streiks von 1988, der mit seiner „befreiten Uni“ ein einzigartiges Experiment selbstverwalteten Lernens in Gang setzte. Die Broschüre ist ab sofort im AStA erhältlich.

Trotz des dreifachen Jubiläums wollen die AutorInnen der Broschüre weder Nostalgie betreiben noch verträumte Rückblicke auf vermeintlich „bessere“ oder kämpferische Zeiten pflegen. Ziel ist es vielmehr, den jetzigen Zustand der FU als Ergebnis von Kämpfen und Auseinandersetzungen sichtbar zu machen. Die FU war nie ein fertiges Produkt und ist es bis heute nicht. Über Form und Inhalt des Lernens an dieser Universität gab es immer Auseinandersetzungen, in denen sich vor allem die Studierenden entschieden positioniert haben. Wer diese Auseinandersetzungen kennt, bemerkt schnell dass die vermeintlichen „Sachzwänge“ und Weichenstellungen der Vergangenheit keineswegs unausweichlich waren. Sie sind Ergebnisse von Machtkämpfen, die auch anders hätten ausfallen können. Ein Blick in die Vergangenheit führt daher schnell zur Reflektion über die aktuellen Umbrüche und Umstrukturierungen an der Uni. Als „unternehmerischste Hochschule Deutschlands“ ist die FU heute Vorreiterin bei der Verwandlung von Wissenschaft in Ware, bei Ent-Demokratisierung und Kommerz.

Ein Blick zurück ist angesichts dieser Zustände auch ein Blick nach vorne: die demokratische Hochschule war 1948 und insbesondere 1968 das Leitbild der FU, das von Studierenden und Teilen der Lehrenden entschieden eingefordert wurde. Die FU, die sich in den 50er Jahren von einer demokratischen Reformuniversität in eine traditionell-autoritäre Ordinarienunversität zurückverwandelt hatte, wurde unter dem Druck der Studierenden erneut zu einer Vorreiterin demokratischen Lernens.
Ähnlich wie in den 50ern schmückt sich die FU auch heute wieder mit einem Image von Demokratie und Freiheit, während nach innen ein knallhartes Top-Down Management gepflegt und sämtliche Selbstverwaltungsorgane in ihren Rechten beschnitten werden. Die Kämpfe um Selbstbestimmung, die in der Vergangenheit geführt wurden, sind daher aktuell wie nie zuvor.

Wir hoffen daher, das die Broschüre Anlass gibt zu Diskussionen nicht nur über die Vergangenheit, sondern vor allem die Zukunft der FU, daß sie zu neuen Debatten um alten Fragen führt: Wie wollen wir Lernen? Wie wollen wir Leben?

Die Broschüre ist ab sofort erhältlich im AStA FU:

AStA FU
Otto von Simson Str. 23
14195 Berlin

mail: info@astafu.de

Download Leseproben:
Inhaltsverzeichnis und Editorial
Erinnerungen an das Problem einer freien Universität – von Klaus Heinrich

Für FU-Studierende ist das Heft kostenlos, Für Externe ist es gegen eine Schutzgebühr von 8 Euro zzgl. Porto erhältlich.
Studierendenvertretungen und Presse erhalten auf Anfrage kostenlose Rezensionsexemplare.

Ergänzung vom 14.10.2008:
Inzwischen ist auch die ganze Broschüre zum Download als PDF (4.12 MB) erhältlich.