Archiv für November 2008

Email-Vernetzung zum UNIMUT startet!

Mittlerweile haben wir den bereits angekündigten Vernetzungsverteiler zum Unimut eingerichtet. Auf der unten folgenden Website können sich alle ehemaligen Unimut-AktivistInnen und Interessierte eintragen und sich austauschen:

https://lists.spline.inf.fu-berlin.de/mailman/listinfo/unimut

Der Inhalt des Verteilers ist noch offen. Aktuelle politische Diskussionen, Austausch von Erlebnisberichten von Damals, einfaches In-Kontakt-Bleiben, Reflektionen über den Marsch durch die Institutionen während der letzten 20 Jahre – Raum ist für vieles. Also, tragt euch ein und macht was draus!

Podiumsdiskussion zur FU-Geschichte – erste Reaktionen

Auf dem Studentischen Blog „FU-Watch“ lässt sich mittlerweile ein ausführlicher Bericht auf die Podiumsdiskussion zur FU-Geschichte am letzten Donnerstag (20.11.08) nachlesen:

Zusammenfassend lässt sich bis hierhin festhalten: Baader betonte insbesondere die Notwendigkeit des Kampfs der von unten ausgeht. Markard hatte die Tatsache im Fokus, dass Kritik (und zwar eben nicht die “abgespeckte” Variante) zur Wissenschaft gehört und diese Kritik hoffentlich in naher Zukunft wieder verstärkt gefragt sei. Jenny mahnte schließlich an, dass bei zukünftigen Protesten stärker, also über reine Lippenbekenntnisse hinaus, der gesamtgesellschaftlichen Blick über den Tellerrand eingebracht werden müsse.

Alle drei Redner versuchten dabei ein optimistisches Bild zu zeichnen, was die Mehrheit des Auditoriums offensichtlich ähnlich sah. Es fielen zentrale Sätze wie “Wir sind hier heute zwar nur wenige, doch damals waren es am Anfang ja auch nicht mehr”.

Trotz des Optimismus der VeranstalterInnen gab es auch Kritik – die Masse der Studierenden zeige wenig Neigung, sich aktiv an Hochschulpolitik zu beteiligen. In der Kommentarspalte des Artikels finden sich auch hierzu überlegungen:

Vielleicht ist also weniger das Problem, dass Studierende und ihre AltersgenossInnen weniger politisch sind, sondern das Hochschulpolitik ein langweiliges Image hat.

Ich denke daher, dass ein Kommentar von Morus Markard wegweisend ist: er hat sich vor allem mit dem Verhältnis von Kritik und Wissenschaft auseinandergesetzt und gefordert, gerade über die kritische Beschäftigung mit den eigenen Fach-Inhalten und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft wäre immer wieder politisierung erfolgt, und zwar nachhaltige, mehr als aktionistische.

Den ganzen Artikel könnt ihr hier nachlesen.

Immer nur Dagegen – Zukunft von Anfang an Diskussionsveranstaltung zu Protesten und Kämpfen an der FU Berlin

20.11.08 | 16-18h | Habelschwerdter Allee
39-45 (Silberlaube), Hörsaal 2

Sit ins, Go ins, Teach ins, Proteste gegen Vietnamkrieg, gegen
Berufsverbote, für Demokratische Hochschulen, Studienreform und
Sozialismus, gegen Studiengebüren und Modularisierung. Die FU Berlin war
stets ein Ort von Kämpfen, Protesten und Bewegungen.

Schon die Gründung 1948 war Ergebnis eines Studierendenprotestes,
zwanzig Jahre später wurde die FU zum Epizentrum der 68er Bewegung.
Studierende veränderten gemeinsam mit anderen das Gesicht der Republik,
ob als Haschrebellen, Hausbesetzer oder Antifas.
Und auch heute noch wird protestiert, gegen Verschulung, Kommerz,
chaotische Studienbedingungen und Kürzungen. Der Streik 2003 verhinderte
Studiengebühren in Berlin, ein Erfolg der bis heute nachwirkt.

Anläßlich des 60. Gründungstages der FU haben haben wir Aktive
verschiedener Protest-Generationen der eingeladen, die mit uns als
Zeitzeugen und immer noch Teilnehmende über Kämpfe und Bewegungen an der FU von 1967 bis heute diskutieren wollen.
Was ging damals, was ging heute, können wir aus Fehlern lernen, oder
müssen wir sie alle selber machen? Ist heute weniger los, wenn ja, warum?

Über diese Fragen wollen wir diskutieren mit Gerhard Baader (Historiker,
FU Berlin), Morus Markard (Psychologe, FU Berlin) und Jenny Simon
(Studentin am OSI).
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Die Karten werden neu gemischt – Der Unimut und die Linke

Bereits 1990 präsentierte Pascal Beucker in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ eine Analyse des UniMut und beschäftigte sich unter anderem mit dem Verhältnis zwischen der Bewegung und den „etablierten“ linksstudentischen Organisationen. Letztere kommen dabei eher schlecht weg:

Die StudentInnenbewegung des Wintersemesters 1988/89 überraschte und verblüffte nicht nur die breite Öffentlichkeit sondern ebenso die organisierte Linke an den Hochschulen. Recht bequem eingerichtet in den linken Nischen der studentischen Selbstverwaltung und mit sich selbst ausreichend beschäftigt, mußte die Linke hilflos mitansehen, wie eine Bewegung an ihr vorbei entstand, die sich in althergebrachte Kategorien nicht einordnen ließ. Die „neue StudentInnenbewegung“ legte eine Krise der Hochschullinken offen, deren Überwindung gerade auch in der genauen Analyse dieser Bewegung liegt.

Interessant auch die Protestmethoden, sogar die mailboxen als Ur-Vorläufer der Blogs sind schon dabei:

So unterschiedlich wie die jeweiligen Zündfunken des Protestes, so vielfältig waren auch dessen Aktions- und Kommunikationsformen: Vorlesungsboykott, aktiver Streik bis zur harten Institutsbesetzung; „Latschdemo“ oder kommunikatives Happening; Wandzeitung, Piratensender oder MailBox-System – alles war im Repertoire vertreten. Grundsätzlich galt dabei das Prinzip der Selbstorganisation. Erstaunlich war das große Selbstbewußtsein, welches sich im Laufe der Bewegung aufgrund von öffentlichem Interesse und der Erfahrung geschaffener Freiräume noch steigerte, z. T. jedoch zu einer Selbstüberschätzung führte, die nach dem Abbröckeln der Bewegung Mitte Januar 1989 häufig in Frustration umschlug, wenn in der vormals „befreiten Uni“ wieder dem ganz alltäglichen Scheinerwerb nachgegangen werden mußte.

Den ganzen Artikel könnt ihr hier finden.

Gute Zeiten, Wilde Zeiten – Interview mit Miguel, FU-AStA-Vorsitzender 1988/1989

Sogar die altehrwürdige FAZ, sonst Streiks und sozialen Bewegungen kaum zugeneigt, interessiert sich für den Unimut-Streik 1988/1989. Und da man in der FAZ noch an Autoritäten glaubt, gibt es ein Interview mit dem damaligen AStA FU-Vorsitzenden Miguel. Der jedoch sieht die Rolle des AStA eher am Rande, die Studierenden hätten das meiste schon selbst organisiert:

„Es gab damals unzählige periphere Bewegungen an der Uni. Die waren das auch, die die Proteste voranbrachten. Wir haben als Asta ehrlich gesagt nicht viel beitragen können. Während der Streikzeiten war das Engagement der Studenten unglaublich hoch. Doch außerhalb der Protestphasen war das Interesse unter den Studenten am Asta nicht groß, die Wahlbeteiligung gering.“ Die unterschiedlichsten Bewegungen und Interessen kamen in dieser Zeit zusammen. Autonome Seminare entstanden in dieser Zeit. „Die hatten einen riesigen Zulauf.“ Uni-Seminare, organisiert von Studenten. „Wir konnten damals allgemein noch sehr politisch an unsere Arbeit herangehen. Es war nicht so wie heute, dass uns ein Maulkorb verpasst wurde. Wir haben vom Asta-Geld ein Studentenwohnheim in Nicaragua gebaut. Wir gehörten zu den Ersten, die gegen die damals aufkommende rechte Partei, die Republikaner, eine Gegenveranstaltung organisierten.“ Heute sind die Leute aus dem Asta ebenfalls gesellschaftspolitisch sehr aktiv. Nur dürfen sie das nicht innerhalb ihrer Arbeit beim Asta sein. Sie sind formal häufig außerhalb der Universität in Protestgruppen angeschlossen.

Auch die Heutigen AStA-Aktiven an der FU werden interviewt, beim Thema Streik und Proteste sind sich alte und neue Aktivisten einig – Sie würden es wieder tun:

Die beiden Asta-Vertreter meinen, die Proteste – auch an der Uni – würden sich derzeit wieder radikalisieren, „die friedlichen, netten Proteste“ aus den neunziger Jahren seien nun vorbei. Kitzmann ist seit sieben Jahren beim Asta aktiv. Als er mit dem Studium anfing, hat er sich aufgeregt, „über diese Juso-Gruppen im Asta, die so gleichgültig waren“. Der ehemalige Asta-Vorstand Miguel Montero sagt, die Zeit hier hätte Spaß gemacht, „die hat uns geprägt. Wir haben erfahren, dass Änderungen durch Engagement in unserem Rahmen möglich waren.“

Den ganzen FAZ-Artikel könnt ihr hier nachlesen.

Prosecco-Tunten-Schlager-Punk?!

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die geheimtip-super-newcomer Punkformation Dirrrrty Sanchez am 18. Dezember als Überraschungsgast auf der groß angekündigten Unimut-Revival Fete auftreten.

Auf der Homepage der In-Band aus Berlin heißt es:

Unglaublich! Einzigartig! Das gab’s noch nie!

Nachdem wir jetzt unsere ersten beiden Konzerte im AZ Mülheim und unter der Kemnader Brücke erfolgreich hinter uns gebracht haben, spielen wir am 22.11. endlich in Berlin, in der Potse zusammen mit Operation Semtex und Plagiat. Desweiteren steht auch ein weiterer Gig im Dezember auf dem Programm.

Gerüchteweise werden sogar ein paar neue Songs der Kategorie „Prosecco-Tunten-Schlager-Punk“ zu hören sein. Wir sind gespannt!

sanchez

Streiken ist die beste Medizin

Da soll doch nochmal einer sagen, Streiken bringt nichts: In Berlin haben die Studierenden 1988 in einem der verstocktesten Fächer überhaupt eine komplette Studienreform erkämpft:

Während in vielen Bereichen der Universität die Verbesserungsbemühungen nach Beendigung des Streiks nur zu kleinen Modifikationen des Routinebetriebs führten, blieb eine Gruppe von Studierenden der Medizin in Form einer „Inhalts-AG“ und später eines Projekttutoriums zur Reform des Medizinstudiums mit dem Ziel aktiv, eine wirklich neue Studienform in der Medizin zu etablieren.

Das Ergebnis ist der Reformstudiengang Medizin, heute angesiedelt an der Charité Universitätsmedizin Berlin:

Die Intention der Studierenden, die zur Entwicklung des neuen Curriculums führte, basierte im Wesentlichen auf zwei Kritikpunkten am herkömmlichen Studium: Zunächst einmal waren die Studierenden mit den allgemeinen Studienbedingungen unzufrieden. Der Wissensstoff wurde, überwiegend in – zumindest zu Beginn des Semesters bzw. Studiums – überfüllten Veranstaltungen in Vorlesungsform angeboten, der die Studierenden in eine passive Rolle bringt. Nicht nur Fächer wie Anatomie, Physiologie und Biochemie wurden weitgehend isoliert voneinander dargestellt, auch den klinischen Disziplinen fehlte der gemeinsame Bezug. Die Studierenden forderten eine grundlegende Revision der Lehr- und Lernbedingungen und eine stärkere Beteiligung an der Gestaltung des Unterrichts. Sie wollten mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess und für die Gestaltung des Studienablaufs übernehmen, drangen aber auch auf eine inhaltliche Revision. Ihre Forderungen nach einer neuen Gewichtung der Lehrinhalte beschränkten sich nicht nur darauf, den Unterricht praxisbezogener zu gestalten und die Inhalte durch sinnvolle Verknüpfung theoretischer und klinischer Aspekte anschaulicher zu machen. Es wurde auch kritisch hinterfragt, ob das überwiegend naturwissenschaftlich orientierte Menschenmodell, wie es in der Hochschulmedizin traditionell vorherrscht, ausreichend ist, die Vielzahl körperlicher und psychischer Störungen und ihre gegenseitige Beeinflussung verstehen und adäquat behandeln zu können. Eine weitere Forderung war daher, naturwissenschaftliche Aspekte nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den psychischen Bezügen und ihrer sozialen Bedeutung patientenorientiert zu vermitteln und wissenschaftliche Grundlagen einer „ganzheitlichen“ Heilkunde zum Studieninhalt zu machen.

Quelle: http://www.reformstudiengang-medizin.de/Wir_ueber_uns/Geschichte.html

Streik – Bericht von Daniel Schreiber (München)

Dieser Originalbericht aus dem Jahr 1989 wurde entnommen aus der Zeitschrift „Widerspruch“ Nr. 16/17 (1989), S.176-182, als PDF zu finden unter: www.widerspruch.com/artikel/1617-12-01.pdf

Die allgemeine Notlage der StudentInnen – die katastrophale Situation des
Wohnungsmarktes, die Überfüllung der Universität und der Mangel an
DozentInnen, Büchern und Räumen ließ die Welle des bundesweiten Stu-
dentInnenprotestes mit einiger Verspätung sogar bis nach München kom-
men. Obwohl die materielle Notlage der StudentInnen in München beson-
ders groß ist, und es zudem in Bayern ebenso wie in Baden-Württemberg
nicht einmal mehr eine verfaßte StudentInnenschaft mehr gibt, ist die stu-
dentische Opposition in München schwächer als in den meisten anderen
Universitätsstädten der Republik.
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Unimut vs. 68 – ein Vergleich?

Für alle, die nicht nur im Supermarkt gerne vergleichen findet sich auf den Seiten des AStA FU Berlin unter dem lustigen Titel „Von der Weltrevolution zur BAföG-Reform“ ein netter Artikel zu verschiedenen Studiprotesten in der BRD, unter anderem auch zum Unimut von 1988/1989.

Einige Zeitlose Sätze zum Thema Studierendenprotest seien hier zitiert:

… ´68, ´88, ´97. Diese Jahreszahlen stehen für besonders intensive und gleichzeitig für ihre Zeit charakteristische Studierendenproteste.

Jedes Mal entlud sich der Unmut einer neuen Generation von Studierenden, nur ganz hartgesottene Dauerstudierende haben mehr als eine der beschriebenen Bewegungen miterlebt. Dies ist auch der Anlaß der Untersuchung: wegen der kurzen und immer kürzeren Verweildauer an den Universitäten ist es für viele StudentInnen unmöglich, Hochschulpolitik aus einer langfristigen Perspektive zu erfassen.

Immer wieder neue Jahrgänge strömen hoffnungsvoll und wißbegierig an die Universitäten. Dort werden sie schnell mit verkrusteten Strukturen, hoffnungsloser Überfüllung und jeder menge Ignoranz konfrontiert. Manche wechseln das Fach oder brechen das Studium ab, die Hartnäckigeren versuchen in den Gremien die Situation zu verbessern. Irgendwann platzt aber auch diesen der Kragen, zusammen mit der gefrusteten Masse gelingt es Demonstrationen, eine Besetzung, einen Streik zu organisieren, das ganze kommt in die Zeitung, und plötzlich scheint es, als könnte sich etwas verändern.
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Fotos vom Unimut 1988 in Frankfurt

Einige Fotos vom Unimut 1988 in Frankfurt finden sich in einem Indymedia-Artikel von 2006, eins davon hat uns besonders gefallen, mittlerweile ist es der muff von 40 Jahren:

muff 1988

Wer weitere Fotos hat, kann sie uns gerne schicken, vielleicht kriegen wir es hin, einige davon hier zu veröffentlichen:

unimut20[ätt]gmx.net