Die Karten werden neu gemischt – Der Unimut und die Linke

Bereits 1990 präsentierte Pascal Beucker in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ eine Analyse des UniMut und beschäftigte sich unter anderem mit dem Verhältnis zwischen der Bewegung und den „etablierten“ linksstudentischen Organisationen. Letztere kommen dabei eher schlecht weg:

Die StudentInnenbewegung des Wintersemesters 1988/89 überraschte und verblüffte nicht nur die breite Öffentlichkeit sondern ebenso die organisierte Linke an den Hochschulen. Recht bequem eingerichtet in den linken Nischen der studentischen Selbstverwaltung und mit sich selbst ausreichend beschäftigt, mußte die Linke hilflos mitansehen, wie eine Bewegung an ihr vorbei entstand, die sich in althergebrachte Kategorien nicht einordnen ließ. Die „neue StudentInnenbewegung“ legte eine Krise der Hochschullinken offen, deren Überwindung gerade auch in der genauen Analyse dieser Bewegung liegt.

Interessant auch die Protestmethoden, sogar die mailboxen als Ur-Vorläufer der Blogs sind schon dabei:

So unterschiedlich wie die jeweiligen Zündfunken des Protestes, so vielfältig waren auch dessen Aktions- und Kommunikationsformen: Vorlesungsboykott, aktiver Streik bis zur harten Institutsbesetzung; „Latschdemo“ oder kommunikatives Happening; Wandzeitung, Piratensender oder MailBox-System – alles war im Repertoire vertreten. Grundsätzlich galt dabei das Prinzip der Selbstorganisation. Erstaunlich war das große Selbstbewußtsein, welches sich im Laufe der Bewegung aufgrund von öffentlichem Interesse und der Erfahrung geschaffener Freiräume noch steigerte, z. T. jedoch zu einer Selbstüberschätzung führte, die nach dem Abbröckeln der Bewegung Mitte Januar 1989 häufig in Frustration umschlug, wenn in der vormals „befreiten Uni“ wieder dem ganz alltäglichen Scheinerwerb nachgegangen werden mußte.

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